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Investment: Was Tun?

Staatsanleihen
kein Markt hat sich im letzten Jahrzehnt so grundlegend verändert, da auf Anleihen in Europa minimale oder sogar  “negative” Zinsen geboten werden – d.h., wer sie kauft, erhält weniger zurück. Da Staatsanleihen der wesentliche Bestandteil “konservativer” Investments waren, ändert das die Landschaft grundlegend. Seit 2016 steigen die Zinsen von US-amerikanische Staatsanleihen wieder; im Frühjahr 2018 haben sie 3% erreicht. Damit gehen Kursverluste bei bestehenden Anleihen einher. Diese “Zinswende” ist auch in Europa zu erwarten. Die niedrigen Zinsen in den USA und Europa hatten weltweit das Zinsniveau nach unten gedrückt; dennoch sind mit Anleihen von Schwellenländern immer noch deutlich höhere Zinsen zu erzielen.

Mikrofinanz
Mikrofinanz ist eine Form, kleine Kredite dort zur Verfügung zu stellen, wo es keinen und nur geringen Zugang zu kommerziellen Kredit-Angeboten gibt. Eine gute Veranschaulichung des Prinzips findet sich auf der Website „KIVA“: direkt und transparent werden konkrete Menschen und ihre unternehmerischen Projekte finanziert. Als Werkstatt und Veranschaulichung des Grundgedankens von Investment ist das großartig; Zinsen werden bei KIVA aber nicht gezahlt; die Plattform finanziert sich aus freiwilligen Spenden. Im engeren Sinne ist das also kein Investment. Es gibt eine kirchliche Organisation, die auch in Österreich Mikrokredite anbietet. Das kommerzielle Investment in Form von Investmentfonds oder Zertifikaten ist derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.

Venture Capital

Die Investition in “junge” Firmen, die hohen Geldbedarf aber noch keine oder geringe Einnahmen haben. Vom Gedanken das ideale Investment, in der Praxis geprägt von hohen Kosten und Ausfallsraten. Die Plattformen für “crowd investing” bieten eine sinnvolle Möglichkeit, die sich hoffentlich durchsetzt.

Aktien

In Österreich gilt das seltsamerweise als riskantes Investment, dabei ist es die beste Form, direkt in die Wirtschaft zu investieren  und damit langfristig so sicher wie die Wirtschaft selbst. (Und hiervon hängen ja auch die künftigen Steuereinnahmen und damit die Sicherheit der Staatsanleihen ab!). Angesichts eines aufgeblähten Finanzmarktes ist der Kauf von Aktien über eine Online-Plattform eine günstige und langfristig ertragreiche Investition. Für eine Detailfrage – wie hoch soll der Aktienanteil in der Pension sein – siehe hier.

Wald:
Das ist ein anschauliches Investment: der jährliche Wuchs der Bäume ist wörtlich Rendite – ohne menschliche Arbeit. Auch hier ist in der Praxis allerdings Vorsicht gegenüber teuren oder unseriösen Anbietern geboten. Vor einem Investment sollte gründlich recherchiert werden und vor allem die ökonomische Plausibilität des Angebots bedacht werden.

Alternativ-Energieparks
sind inzwischen ein etablierter Markt; durch die vielen Reformen der Ökostrom-Förderungen ist allerdings vieles schief gegangen. Im weiteren Sinne von “Infrastruktur”-Investment gewinnen solche Projekte zunehmend an Bedeutung, weil sie langfristig planbare Einnahmen versprechen und damit eine Alternativ zu der renditelosen Staatsanleihen versprechen.

 

Edelmetalle
Vermutlich die betrügerischte Nische, die es derzeit am Finanzmarkt gibt: Unter Ausnützen der Verunsicherung über die Finanzmärkte und mit dem Versprechen “sicherer Werte” werden dubiose Anlagestrategien mit horrenden Kosten vertrieben. Gold ist endlos faszinierend aber völlig nutzlos. Daraus folgen Missverständnisse, meist wird das Ausmaß der Schwankungen des Goldpreises unterschätzt. Als Krisenabsicherung ist Gold nützlich, als Inflationsschutz eher ungeeignet. Jedenfalls sind die Kosten vordringlich zu beachten.

Kryptowährung

Erstaunlicherweise lockt das genau so viele betrügerische Angebote an wie Edelmetall – und ebenso erstaunlich, wie viele Konsumenten sich davon verführen lassen. Interessant ist die Technologie: “blockchain”, so heißt es, wird die Art, wie Rechtsgeschäfte abgewickelt werden, radikal verändern. Warum dabei ausgerechnet die Währung zu einem Investitionsobjekt geworden ist, verstehe ich nicht.

Gemälde, Photographie und andere Kunst
als individuelle Investition sehr empfehlenswert, weil es einer der wenigen Fälle ist, bei denen Konsum (der Genuss der Schöhnheit) und Investition (Werterhalt) zusammenfallen können. Als Beispiel: der österreichische Schriftsteller Albert Drach hat in seinem Exil durch den Verkauf von Briefmarken überlebt: Unsentimentale Reise Leider scheitern die meisten Versuche, dies kommerziell, etwa in Form von Fonds, zu bündeln. Das gilt auch für Weine.

Immobilien
Seit vielen Jahren, intensiviert seit der Finanzkrise 2008 werden Wohnungen in Wien als “Vorsorge”, also als Investition, gekauft, nicht für den eigenen Bedarf: die Kaufpreise sind deutlich gestiegen, die Mieten deutlich weniger; dadurch sind die erzielbaren Mietrenditen meist unter 3% – also unter den langfristigen Kreditkosten. Es sollte beachtet werden: das Steigen von Immobilienpreisen ist kein Naturgesetz, sondern folgt den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage. Zu Recht wird auf die Beschränktheit des Angebots (an Bauflächen in Großstädten) hingewiesen; ebenso wichtig aber ist die Nachfrage: diese entsteht aus Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Bekanntlich sind hier die langfristigen demografischen Trends eher flach, rechtferigen also die Annahme stetig weiter steigender Immobilienpreise nicht. Immobilien sollten nur dort gekauft werden, wo Bevölkerung und Wirtschaft wachsen und es daher steigende Nachfrage gibt. Das Risiko von sinkenden Immobilienpreisen sollte bedacht werden.

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