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renten=die erfüllung, gebaut auf schulden=geraubt die zukunft

by georg on Dezember 21st, 2012

am 20.12. hatte Ewald Palmetshofers Stück “räuber.schuldengenital” am Akademietheater Uraufführung. Ich war und bin gewandelt. Das Stück behandelt das finanzielle Dilemma von Staatsschulden, Pensionen und Alterung als Dilemma der Gesellschaftsseele: wenn es kein Wachstum mehr gibt, keine ökonomische Chance auf Aufstieg und materieller Besserung, wenn die regelmäßige Versorgung durch den Staat als höchste Errungenschaft in dieser Zeit gilt, als das ultimative “Genießen”, das große Glück, und wenn aber zunehmend gewiss ist, dass die jetzt noch Arbeitenden nicht mehr in den Genuss dieses Genießens kommen werden, dann sind die jetzt gerade noch in die Staatsversorgung Gerutschten die großen Gewinner, die letzten Gewinner dieses langen Traums von Wohlstandsgesellschaft und stetigem Wachstum. Dann besetzen sie aber eben auch einen Platz im Imaginären der Gesellschaft, also dort, wo eine Gesellschaft sich Geschichten erzählt, träumt und hofft, dort, wo die Kraft und Macht aller realen Karrieren, Bestrebungen, Planungen entsteht. Wenn dieser Platz besetzt und den Nachkommenden verwehrt ist – dann stirbt die Hoffnung, im Gesellschaftlichen also die Utopie.

Copyright:Georg Soulek

Das, so verstand und empfand ich das Stück, ist die wesentliche Einsicht von Ewald Palmetshofer, die er in dem Stück vermittelt: Unsere Gesellschaft und Zeit ist hoffnungslos und damit der Zukunft beraubt. Und das ist zutiefst ein politischer und ein ökonomischer Befund: eine Gesellschaft ohne Hoffnung erzeugt eine Politik ohne Utopien (die also elendiglich nur Elend verwaltet und auch nur das kann) und eine Ökonomie, die selbst bürokratisiert wie ein Ministerium nur noch Geschäftsabläufe verwaltet statt neue Möglichkeiten zu schaffen. Und daher, optimistisch gewendet, liegt eine Hoffnung auf Zukunft nicht darin, mit Rechenkünsten und Sparprogrammen die gegenwärtige Verfasstheit doch in Zukunft noch irgendwie leistbar zu machen, sondern diese ganze Blockade zur Seite zu schieben, um eine mögliche Zukunft in den Blick zu kriegen: einen Ort, wohin wir streben wollen, etwas, wofür es sich zu arbeiten lohnt. Und dann werden wir wissen, wo wir sparen müssen und wo wir investieren müssen, welche Politik und PolitikerInnen wir dafür brauchen und welche sicher nicht. Und dann werden wir wissen, was wir fordern wollen, was wir verhandeln können – und was wir uns unnachgiebig und unsentimental nehmen werden.

From → Vermischtes

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