Skip to content

Investmentbrief September 2010

by georg on November 9th, 2010

Rückblick:
– nach dem starken Wiederanstieg der Aktienmärkte von März bis Oktober 2009 bewegten sich die meisten Börsen seitdem ohne deutliche Richtung auf und ab. (Der deutliche Anstieg der meisten Währungen gegenüber dem Euro hat aber zu vereinzelten Gewinnen für Euro-InvestorInnen geführt).
– Im Krisenjahr 2008 sind Anleihen von als solide eingestuften Staaten wie Deutschland gestiegen. Diese Tendenz hat sich 2010 noch einmal deutlich verstärkt. Das überrascht: a) Inflationsängste aufgrund massiver Staatsausgaben zählen offenbar nicht mehr, b) die Skepsis bzgl. Staatsschulden im Zuge der Griechenlandkrise hat offenbar nicht auf Deutschland übergegriffen, c) der logische Einbruch der Anleihekurse im Zuge künftiger Zinserhöhungen wird offenbar ignoriert – bzw. eine Zinserhöhung nicht in naher Zukunft erwartet. Hier der „Euro-Bund-Future“ für das vergangene Jahr:

Der Anstieg um 10 Prozentpunkte im vergangenen Jahr bedeutet, dass mit fallenden Zinsen gerechnet wird – bei einem aktuellen Marktzinsniveau von 2% wird mit einem Rückgang der Zinsen auf ca. 0% gerechnet wird! . >> Wie bitte??
– Gold stieg bis Juni deutlich auf 1050,- € und bewegt sich seitdem etwas tiefer zwischen 900,- und 1000,- €. (Der meist zitierte Goldpreis in US-Dollar verläuft –natürlich – anders.)

– Das führte dazu, dass 2010 die wenigen Gewinne bislang von überraschender Seite kamen: Währungsgewinne von Nicht-Euro-Anlagen; Angstgewinne aus Anleihen.

Kurzfristiger Ausblick:
– Die Seitwärtsbewegung an den Börsen wird sich in den nächsten Wochen deutlich auflösen – wobei die Indizien für einen Aufschwung fast so zahlreich wie für einen Abschwung sind. Diese Unsicherheit verursachte die lange Seitwärtsbewegung an den Börsen. Investitionen in Fonds mit flexibler Aktienquote sind in dieser Situation eine vernünftige Strategie; auch trendfolgende Hedgefonds sollten wieder deutlich anziehen. Allerdings ist ein bemerkenswertes Phänomen zu beobachten: während auf politischer und makroökonomischer Ebene Skepsis herrscht – Staatsschulden, neue Rezession – sind die Einschätzungen auf Unternehmensebene weitgehend positiv. Das führt auch dazu, dass, gemessen am prognostizierten Gewinn, Aktien derzeit so billig sind wie zuletzt in den 70er Jahren. Das gilt insbesondere für vergleichsweise langweilige Aktien – große, etablierte Unternehmen mit stetig wachsendem Umsatz und Gewinn – sogenannte „Value“-Aktien. Hier scheint derzeit das Risiko begrenzt, die Chancen hoch; so liegt etwa die durchschnittliche Dividendenrendite der DAX-Unternehmen derzeit bei 4%, also rund doppelt so hoch wie die Anleihenrendite. Das ist eine außergewöhnlich seltene Konstellation.
– Der Kursanstieg der Anleihen wird im Laufe der nächsten Monate ein Ende finden; mit deutlichen Kursverlusten muss gerechnet werden. Die konventionelle Taktik in dieser Situation ist eine drastische Verkürzung der Laufzeiten – also eine Umschichtung von Anleihen in kurzlaufende Anleihen oder Bargeld. Aufgrund der langfristigen Prognosen ist aber ein radikaler Ausstieg aus Staatsanleihen sinnvoller.
– Der Goldpreis ist kurzfristig kaum einschätzbar; ein Preisrückgang sollte eingeplant werden (was nichts an den langfristig positiven Aussichten ändert). Die Situation ist seltsam: der Goldpreis steigt, wenn höhere Inflation erwartet wird; dann sollten aber Anleihenkurse fallen. Dass beides zugleich steigt, ist außergewöhnlich und zeigt, dass derzeit diametral entgegen gesetzte Meinungen den Markt beherrschen.
– Der Euro sollte zu einer Gegenbewegung ansetzen, weil Vergleichswährungen wie USD und Yen ebenfalls Anlass zu Sorge geben.

Langfristiger Ausblick
– aufgrund der hohen Liquidität wird ein neuer Boom an den Aktienmärkten einsetzen
– aufgrund der fundamental höheren Wirtschaftsdynamik (und demografischen Struktur) werden Investitionen in Asien stärker steigen als in Europa und USA. Das betrifft nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch Anleihen, da diese dynamischen Volkswirtschaften inzwischen auch deutlich solidere Staatsfinanzen als Europa haben. Rohstoffreiche Volkswirtschaften in Südamerika aber auch Afrika werden auch überdurchschnittlich profitieren.
– Sehr langfristig (>15 Jahre) sind die Aussichten für Europa allein aufgrund der demografischen Entwicklung schlecht. Eine Umschichtung in außereuropäische Vermögenswerte ist daher grundsätzlich zu empfehlen.
– aufgrund der zunehmenden Gefahr eines Kollapses der Staatsfinanzen in Europa, USA und Japan wird Gold deutlich an Wert gewinnen.
– Immobilien in Europa werden aufgrund der demografischen Entwicklung tendenziell an Wert verlieren, Wohnimmobilien stärker als gewerbliche. Auch im Immobilienbereich sollte daher eine Diversifikation in wachsende Volkswirtschaften, insbesondere in Asien erfolgen.
– In Zeiten hoher Inflation steigen die Preise von allen Sachwerten – bzw. stellen Sachwerte einen Schutz vor Kaufkraftverlust dar. Üblicherweise denken Anleger dabei immer an Wohnimmobilien. Aber auch Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle sind Sachwerte. Eine besondere Form der Immobilie sind Agrarinvestitionen. Diese werden vermutlich deutlich besser als Wohnimmobilien ihren Wert erhalten und steigern. Der Bedarf nach Lebensmitteln und pflanzlichen Rohstoffen steigt schneller als der nach Wohnraum, vor allem dort, wo gute Verkaufsmöglichkeiten in wachsenden Märkten bestehen. Von daher sind Südostasien, Australien und Neuseeland zu bevorzugen. Zunehmend gibt es Beteiligungsangebote, die lukrativ, transparent und nachhaltig sind. Skepsis ist gegenüber den vielen neuen Fonds und Indices in dem Bereich angebracht, da diese meist in große Konzerne mit fragwürdigen Geschäftspraktiken investieren.

Zusammenfassung:
Kurzfristig:
– Anleihen verkaufen bzw.: Laufzeiten verkürzen; nur noch in solide außereuropäische Staaten oder Unternehmens/Wandelanleihen investieren.
– Aktien flexibel, z.B. in Form von „vermögensverwaltenden“ Fonds und dividendenstarken „Value“-Fonds.
Längerfristig:
– Aktien übergewichten, vor allem Asien und andere Emerging Markets.
– Gold und Silber
– Investitionen in Agrarwerte, auch in Form von Direktbeteiligungen.

No comments yet

Leave a Reply

Note: XHTML is allowed. Your email address will never be published.

Subscribe to this comment feed via RSS