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Die Zinsen steigen

by georg on Februar 9th, 2018

Bereits letzten Oktober veröffentlichte das Anleiheteam der Fondsgesellschaft Franklin Templeton eine Studie, in der die AutorInnen argumentierten, dass die Zinsen und die Inflation in den USA deutlich stärker und schneller steigen werden, als der Markt erwartet. Die Börseturbulenzen Anfang Februar bestätigen das Argument. Die Studie ist mir wichtig, weil die meisten Prognosen an den Finanzmärkten eine simple Monokausalität verfolgen: Faktor A wird Ergebnis B haben. Die Studie untersucht ein Bündel an Faktoren, die sich gegenseitig verstärken und nur in dieser Wechselwirkung ihre Macht entfalten. Ein zentrales Moment ist der klar angekündigte Rückzug der US-amerikanischen Notenbank aus den Käufen der US-Staatsschulden. Die einfache Frage ist: wer soll die FED als wichtigsten Käufer ersetzen? Die Studie weist nach, dass auch andere Käufer, die nicht “preissensibel” sind – für die also die Zinsen, die sie auf die Staatsanleihen erhalten, kein maßgebliches Kriterium sind, ausfallen: Staatsfonds aus Erdöl-exportierenden Staaten sind mit ihren eigenen Defiziten beschäftigt, China reduziert seine Währungsreserven. Gleichzeitig repatriieren US-Unternehmen ihre ausländischen Gewinne aufgrund der Steuersenkung; diese Gewinne sind bisher vorwiegend in Anleihen angelegt (Apple etwa ist der größte Anleihenfonds der Welt), werden aber nach der Einfuhr wohl entweder investiert oder als Dividende ausgeschüttet. Somit bleiben vor allem einheimische private Käufer. Diese – Banken, Versicherungen, Fonds – sind aber preissensibel, d.h. sie wollen eine angemessene Verzinsung für ihre Investition erhalten. Gleichzeitig wird aber durch die Steuerreform das Budgetdefizit der USA – zumindest vorerst – wahrscheinlich steigen, also der Bedarf des Staates an zusätzlicher Finanzierung steigen, somit das Angebot an Anleihen. Dieses erhöhte Angebot trifft auf weniger Nachfrage, was in einer Marktlogik zu fallenden Preisen führt, und bei Anleihen heißt fallender Preis: höhere Zinsen. Diese einfache Rechnung von Angebot und Nachfrage erklärt somit, dass die Zinsen überraschend stark und schnell steigen können. Die Langfassung der Studie findet sich hier.

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